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Route wird neu berechnet – und manchmal führt der Umweg zu Starbucks

  • biancastrub
  • 6. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit
Kaffeetasse

Wenn ich den Haushalt schmeisse, höre ich fast immer Podcasts. So verbinde ich etwas Mühsames mit etwas Nützlichem, die Zeit vergeht schneller und irgendwie fühlt sich selbst Putzen dann leichter an. Genau bei so einem Moment habe ich kürzlich einen Satz gehört, dessen Kontext mir zwar entfallen ist, der mich aber sofort gepackt hat: „Route wird neu berechnet.“ Ich habe ihn nicht nur gehört, ich habe ihn richtig gefühlt. Kein inneres Drama, keine Selbstvorwürfe, kein „Wie konntest du nur?“. Einfach: Die Route wird neu berechnet. Punkt.


Während ich weiterputzte, musste ich schmunzeln – und habe mir den Satz sofort notiert. Denn bei mir gibt es diese Durchsage ziemlich oft. Immer dann, wenn ich auf der Suche nach einem Starbucks bin. Mein Navi und Starbucks, das ist nämlich eine ganz eigene Geschichte. Manchmal biege ich zu früh ab, manchmal zu spät, manchmal vertraue ich meinem Gefühl mehr als der Stimme aus dem Lautsprecher. Das Ergebnis ist fast immer dasselbe: Route wird neu berechnet. Wieder und wieder. Achtung Metapher 😊.


Ja, manchmal ist es ein Umweg. Aber genau auf diesen Umwegen habe ich schon so vieles erlebt: unerwartete Begegnungen, schöne Gegenden, kleine Cafés, die ich sonst nie entdeckt hätte. Dinge, die nicht geplant waren – und genau deshalb besonders. Und kein Navi dieser Welt würde mich dafür verurteilen. Es sagt nicht, dass ich versagt habe. Es beleidigt mich nicht, schmeisst nicht alles hin, macht kein Drama. Es bleibt ruhig, fokussiert und zeigt mir einfach einen neuen Weg.


Und da habe ich mich gefragt: Warum können wir das nicht auch mit uns selbst? Im echten Leben behandeln wir falsche Abzweigungen oft wie Beweise gegen uns. Wir treffen Entscheidungen, die sich später nicht mehr stimmig anfühlen, und reagieren mit Härte. Wir analysieren, verurteilen uns, machen Druck, haben Angst, erneut etwas falsch zu machen. Dabei könnten wir auch hier kurz innehalten und sagen: Okay. Interessant. Die Route wird neu berechnet.


Strasse im Wald

Was würde passieren, wenn Fehler wirklich erlaubt wären? Nicht nur theoretisch, sondern im Alltag – bei uns selbst, bei unseren Kindern, bei unseren Mitmenschen. Kinder lernen am besten, wenn sie ausprobieren dürfen, wenn sie spüren, dass sie falsch liegen dürfen, ohne falsch zu sein. Ohne Angst, ohne Druck. Diese Erfahrung prägt ihr Selbstvertrauen und ihre innere Sicherheit. Und sie prägt auch unsere Beziehungen. Denn dort, wo Fehler erlaubt sind, entsteht Vertrauen. Und wo Vertrauen ist, wird Entwicklung möglich.


Vielleicht sind diese vermeintlichen Fehler sogar notwendig. Vielleicht brauchen wir sie, um immer wieder zu überprüfen, ob die Route noch stimmt und ob das Ziel, das wir ansteuern, überhaupt noch unseres ist. Manchmal führt uns ein Umweg genau dorthin, wo wir wirklich hinwollen. Manchmal zeigt er uns, dass nur kleine Anpassungen nötig sind. Und manchmal merken wir erst durchs Abbiegen, dass wir längst auf dem falschen Weg unterwegs waren.


Für mich ist „Route wird neu berechnet“ inzwischen mehr als ein Satz aus dem Navi. Es ist ein innerer Reminder, freundlicher mit mir zu sein. Weiterzugehen, statt stehenzubleiben. Nachzujustieren, statt mich zu verurteilen. Und ganz ehrlich: Wenn ich am Ende trotzdem bei meinem Starbucks ankomme – vielleicht ein paar Minuten später, aber mit neuen Eindrücken im Gepäck – dann war der Umweg es meistens wert.


Vielleicht dürfen wir dem Leben öfter erlauben, genauso zu funktionieren. Die Route wird neu berechnet. Und das ist völlig okay. Ich fühle das.


Frau mit Kompass




 
 
 

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