Authentisch sein – das Risiko, echt zu sein
- biancastrub
- 20. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit

In meiner Weiterbildung war der Schwerpunkt Authentizität. Und ich habe nachgedacht… und noch mehr nachgedacht.
Bin ich authentisch? Manchmal. Mit einer Tendenz zur Authentizität. Aber bin ich es in jedem Moment? Ganz bestimmt nicht. Ich würde es gerne sein – immer. Doch das würde bedeuten, dass ich ständig anecke, unbequem bin, Menschen vor den Kopf stosse. Und die Frage bleibt: braucht es das?
Authentisch zu sein heisst für mich: mich zeigen, wie ich wirklich bin. Nicht die Version, die andere sehen wollen. Nicht die Maske, die sicher, angepasst, gefällig ist. Sondern ich selbst, in all meiner Widersprüchlichkeit, Verletzlichkeit, Unsicherheit.
Und genau hier entsteht das Paradox:Wenn ich in mir selbst Ruhe finde, wenn ich im Einklang mit mir bin – muss ich mich dann überhaupt zeigen? Zeigen heisst immer auch: gesehen werden. Anerkennung, Zustimmung, die Bestätigung, dass ich „richtig“ bin in dieser Welt.Doch was, wenn niemand es versteht? Was, wenn ich falsch interpretiert werde? Was, wenn ich abgelehnt werde?

Die meisten Menschen leben nicht authentisch, weil es zu riskant ist.Wir balancieren zwischen Anpassung, Rollen, Komfort und der Sehnsucht, echt zu sein. Wir verstecken unsere Schatten, unsere Unsicherheiten, unsere Widersprüche. Wir verstecken uns vor uns selbst, aus Angst, aus Bequemlichkeit, aus Rücksicht.
Und dann kommt noch etwas dazu, das ich für mich erkannt habe: Authentisch sein heisst auch, alle eigenen Schatten zu kennen und zu lieben.Und genau da bin ich noch nicht. Ich kenne meine Schatten, ich spüre sie – aber ich habe sie noch nicht vollständig akzeptiert, geschweige denn geliebt.Solange das so ist, kann ich nicht immer vollkommen authentisch sein. Ich kann mich nur immer wieder bemühen, mutig zu sein, ehrlich zu mir selbst und zu anderen.
Doch es gibt Momente, in denen ich mich trotzdem traue, mich zu zeigen.In denen ich ein Stück meiner Wahrheit nach aussen lasse.Da spüre ich Klarheit. Verbindung. Lebendigkeit. Ich spüre mich selbst. Ich spüre andere. Ich spüre das Leben.Aber ich spüre auch die Verletzlichkeit, die Angst, falsch verstanden zu werden. Die Spannung zwischen meinem inneren Sein und der Welt da draussen.
Vielleicht geht es nicht darum, perfekt authentisch zu sein.Vielleicht geht es darum, immer wieder zu prüfen: Wann verstecke ich mich? Wann zeige ich mich? Wann wähle ich bewusst mein inneres Sein und wann mein äusseres Handeln?Authentisch sein heisst, den Mut zu haben, diese Balance auszuhalten. Den Mut, verletzlich zu sein. Den Mut, sichtbar zu sein, auch ohne Garantie – und den Mut, die eigenen Schatten anzunehmen, auch wenn wir sie noch nicht lieben können.
💡 Frage zum Nachdenken:Was bedeutet Authentizität für dich? Muss sie sichtbar sein – oder reicht es, still in dir selbst zu existieren? Wann wagst du es, dich wirklich zu zeigen – und wann versteckst du dich noch?







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